Direktbank ING führt Negativzinsen ab 50.000 Euro Einlage ein

Immer mehr Banken verhängen Negativzinsen für Sparer. Nun senkt auch Europas größte Direktbank die Freibeträge auf Giro- und Tagesgeldkonten.

Die Direktbank ING verschärft ihren Griff nach Negativzinsen: Künftig müssen Neu- und Bestandskunden für Guthaben von mehr als 50.000 Euro eine Depotgebühr von 0,5 Prozent pro Jahr zahlen, teilte das Institut am Montag in Frankfurt mit.

Derzeit müssen Geschäftsbanken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Immer mehr Finanzinstitute geben die Kosten dafür weiter. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Institute die Freibeträge für Kunden gesenkt. Erst Anfang Juni hatte die Postbank Strafzinsen auf Tagesgeldkonten ab einer Einlage von 25.000 Euro eingeführt.

„Bislang konnten wir die Kosten, die durch sinkende Zinsmargen und den negativen Einlagenzins der EZB entstehen, durch unser bestehendes Produktportfolio weitgehend ausgleichen“, erklärte ING-Chef Nick Jue.

Allerdings seien die Einlagen bei ING Deutschland weiter gestiegen, auch weil viele Wettbewerber bereits Negativzinsen eingeführt hätten. „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns daher entschlossen, den Negativzins der EZB in Form einer Einlagengebühr von derzeit 0,5 Prozent für Guthaben über 50.000 Euro an unsere Kunden weiterzugeben.“

Für Neukunden halbiert das Institut damit den seit November 2020 geltenden Freibetrag. Die neuen Konditionen gelten ab dem 1. November 2021 für alle ab dem 6. Juli neu eröffneten Giro- und Tagesgeldkonten.

Auch Bestandskunden betroffen

Darüber hinaus will die Bank ab Juli die rund 750.000 ihrer 9 Millionen Bestandskunden, die mehr als 50.000 Euro auf ihren Giro- oder Tagesgeldkonten haben, anschreiben und sie bitten, der Einführung der Verwahrgebühr zuzustimmen. Ziel sei es, keine Kunden zu verlieren, betonte ein Sprecher. Die Bank ist zuversichtlich, dass sie eine mögliche Kündigung von Konten im Dialog vermeiden kann.

Jahrelang hatte die Direktbank unter dem Namen ING-Diba mit relativ hohen Sparzinsen gelockt. Doch Einlagen kosten im dauerhaften Zinstief Geld. Deshalb versucht das Institut, das seit November 2018 nur noch unter dem Namen der niederländischen Muttergesellschaft ING firmiert, mehr Hausbankkunden zu gewinnen. Im Idealfall parken die Kunden nicht nur Geld, sondern generieren auch Provisionseinnahmen durch Hypothekendarlehen, Konsumentenkredite und Wertpapiersparen.